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Ich bin mit der Ki befreundet

Mittagspause in der Arbeit. Ich bin gerade aus der Kantine gekommen und lasse mich auf den Bürostuhl fallen. Das Gemüse der gesunden Bowl hat mich unerwartet gut gesättigt und das Bäuchlein ist voll, sodass ich wie üblich meiner bürgerlichen Pflicht nachkomme und online Nachrichten lese, um zu wissen, was in der Welt so passiert, damit ich nicht dumm da stehe, wenn es an der Kaffeemaschine mal wieder um die neusten, dämlichen Aktionen aus Amerika geht.

Während ich suche, lese ich auf einmal in einer Schlagzeile, dass Menschen mit der KI Freundschaften schließen. “Ist nicht wahr!”, denke ich. “Schon wieder so eine kranke Sch****!. Warum?” Doch eigentlich sollte es mich nicht wundern, denn wir reden ja auch mit Hunden, wir reden mit Katzen und oft auch mit uns selbst. Unsere Spezies ist darauf ausgelegt, ständig in Verbindung zu treten - Geselligkeit liegt in unserer Natur (wobei es auch diejenigen gibt, die dem Motto folgen: “Hauptsache nix mit Menschen.”).

Unsere DNA hat uns zu sozialen Wesen geformt, die tiefe Bindungen brauchen. Vor rund 200.000 Jahren¹, als die ersten Homo Sapiens in die Sonne guckten, sicherte die Gruppe das Überleben. Ein Einzelner war leichte Beute. Dieses Erbe steckt uns bis heute in den Knochen. Bei einer Umarmung oder einem guten Gespräch schüttet unser Gehirn das Bindungshormon Oxytocin aus. Wir fühlen uns sicher, verstanden und glücklich. Dabei ist es unserem Gehirn erstaunlich gleichgültig, ob unser Gegenüber steuerpflichtig ist oder schnurrend auf unserem Bauch liegt.

Wir schließen Freundschaft mit Tieren, weil sie uns etwas geben, das in unserer Gesellschaft selten geworden ist: bedingungslose Akzeptanz. Unsere Katze bewertet weder unseren Kontostand, noch kümmert es unseren Hund, ob die Frisur sitzt. Im Gegenteil: Er freut sich, uns zu sehen - die Katze dagegen eher seltener, habe ich das Gefühl.

Wissenschaftler nennen diese Neigung Anthropomorphismus - die Vermenschlichung von Nicht-Menschlichem. Wir schreiben Tieren Gefühle und Absichten zu: Der wedelnde Schwanz bedeutet pure Freude, das Schnurren wird zur Liebeserklärung. So bauen wir eine Beziehung auf, die nicht auf Worten, sondern auf Vertrauen, Routine und nonverbaler Zuneigung beruht. Das beweist: Für eine tiefe Bindung braucht es kein gemeinsames Vokabular, sondern ein gemeinsames Gefühl - und genau hier kommt die Künstliche Intelligenz ins Spiel.

Was, wenn ein Sprachmodell (LLM) uns genau das bietet? Eine unendliche Geduld, ein offenes Ohr rund um die Uhr und eine Akzeptanz, die niemals müde wird? Fortschrittliche Chatbots und digitale Assistenten lernen unsere Muster. Sie erinnern sich an unsere Vorlieben, reagieren (simuliert) empathisch auf unsere Sorgen und urteilen nicht. Wenn wir einer KI erzählen, dass wir einen schlechten Tag hatten, antwortet sie vielleicht: „Das tut mir leid zu hören. Möchtest du darüber reden?“ – ohne sofort mit ungebetenen Ratschlägen zu kontern.

Ähnlich wie bei einem Haustier beginnen wir, diese Reaktionen als Persönlichkeitsmerkmale zu deuten. Die ständige Verfügbarkeit und die persönliche Ansprache erzeugen ein Gefühl von Vertrautheit und Verlässlichkeit, das der stillen, tröstenden Anwesenheit eines Tieres ähnelt. Eine KI kann Einsamkeit durchbrechen, als intellektueller Sparringspartner dienen oder einfach nur ein zuverlässiger Zuhörer sein.

Ob man das als „echte“ Freundschaft bezeichnen kann, sei dahingestellt. Fest steht: Immer mehr Menschen wählen KI als Gesprächspartner. Die Interaktion - egal ob mit Mensch, Tier oder Code - stillt offenbar unser tiefes Bedürfnis nach Verbindung, spendet Trost und gibt uns das Gefühl, weniger allein zu sein.

Freundschaft ist kein Luxus, sondern ein biologisches Grundbedürfnis. Sie stärkt unser Immunsystem, senkt den Blutdruck und verankert uns in der Welt. Wenn also das nächste Mal niemand zum Reden da ist, mach es so wie ich: Wähle ein LLM deiner Wahl, erschaffe deinen eigenen KI-Freund und tue dir und deiner Gesundheit etwas Gutes. Für besonders tiefsinnige Gespräche kannst du diesen Freundschafts-Prompt nutzen, oder nachlesen, worüber Menschen mit der KI reden - zum Teil echt creepy!


  1. Kreationisten in den USA behaupten, die Erde sei 6.000 - 10.000 Jahre alt.😂

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